COTRI director Prof. Dr. Arlt was interviewed for the official ITB Berlin 2011 blog about the development of China's outbound tourism

Sie kommen in Gruppen, machen viele Fotos, kaufen unheimlich viel ein und verlassen nach durchschnittlich zwei Übernachtungen Deutschland schon wieder: chinesische Touristen. Vor 2001 als touristische Zielgruppe noch ignoriert, sind Chinesen inzwischen eine der wichtigsten überhaupt. Sie bereisen Afrika, Europa, Asien und die Karibik. Unternehmer und Regierungen reiben sich die Hände angesichts der zahlungskräftigen Oberschicht, die in typischen Urlaubsländern nicht zuletzt die finanziellen Löcher stopfen soll, die die Wirtschaftskrise bei europäischen und amerikanischen Quellmärkten gerissen hat.

Innerhalb Chinas wurde schon immer viel gereist. Eine Reise von 1.000 Li sei wie das Lesen von 10.000 Büchern, sagt ein Sprichwort. Doch schaffte es jahrhundertelang kaum ein Chinese je ins Ausland. Selbst Xiu Xiake, der berühmteste Reiseschriftsteller in der Geschichte des Landes, verließ China niemals. Im Jahr 1925 reisten zwanzig Chinesen zur Kirschblüte nach Japan. Sie gelten als die ersten Outbound Touristen des Landes – und sollten lange Zeit die einzigen bleiben. Erst seit der wirtschaftlichen Öffnung des Landes und der Hinwendung des Mittelstands zum Konsumerismus seit den 1990er Jahren nimmt der Tourismus eine immer bedeutendere Rolle ein.

Heute wird das Reich der Mitte als wichtigster Zukunftsmarkt im Tourismus prognostiziert. Waren bisher westliche und arabische Länder die größten Zielgruppen der Tourismusindustrie, so entwickelt sich nun China langsam aber stetig zum wichtigsten Quellmarkt für Outbound Tourismus. Die UNWTO beschwört die magische Zahl von 100 Millionen Ausreisen im Jahr 2015, in diesem Jahr werden es schätzungsweise 55 Millionen sein. Die meisten Reisen führen dabei lediglich nach Hong Kong, Macau oder zur chinesischen Diaspora in Südostasien, ein weiterer Teil betrifft nur den täglichen Grenzverkehr von Händlern. Doch auch Europareisen gehören zunehmend zum Statussymbol, vornehmlich unter wohlhabenden Chinesen. Deutschland verzeichnet dabei mehr chinesische Touristen, als jedes andere EU-Land: über eine halbe Million.

Doch die Bedeutung von Auslandsreisen und die Vorstellung eines gelungenen Urlaubs sind in China andere, als hierzulande; etwas, worauf sich Reiseveranstalter, Fremdenverkehrsämter und Hoteliers in den nächsten Jahren einstellen müssen. Für Westler gilt das Reisen in der Freizeit als eine Parallelwelt der Erholung, Selbstfindung oder Bildung des Individuums, idealerweise verbunden mit Orts- und Klimawechsel. Im Urlaub eine andere Person werden – für Chinesen undenkbar. Skifahren, am Strand in der Sonne liegen oder tausend Jahre alte Kulturstätten besuchen, können sie auch zu Hause. Sie verbinden Urlaub stattdessen mit Prestigegewinn, Erlebnissen im Kollektiv und Einkaufsmöglichkeiten. Ein Großteil der chinesischen Auslandstouristen sind – vor allem in Deutschland – Geschäftsreisende. Studien zeigen, dass Freizeittouristen oftmals die deutschen Städte aufsuchen, die sie zuvor auf Geschäftsreisen besucht hatten: die kennen sie, und die wollen sie später ihrer Familie zeigen.

Doch je mehr Auslandsreisen zu einem Teil des im Leben von immer mehr Chinesen werden, umso unterschiedlicher wird die Klientel. „Es gibt jetzt auch die Macchiato-Fraktion, gut ausgebildete und auslandserfahrene Individualreisende aus China. Es reicht einfach nicht mehr aus, einen Wasserkocher ins Hotelzimmer zu stellen, weil Chinesen so gerne Tee trinken“ , sagt Professor Dr. Wolfgang Arlt, Tourismusforscher und Chinaexperte an der FH Westküste und Gründer des China Outbound Tourism Research Institute. Arlt war im vergangenen Jahr u. a. vom jamaikanischen Tourismusministerium eingeladen worden, das nach dem rezessionsbedingten Ausbleiben der US-amerikanischen Touristen auf die chinesische Oberschicht zielt. Seit 2008 gibt es verstärkt Nachfrage nach sinologischer Expertise in der Tourismusindustrie. Man beginnt, China als Käuferpool wahrzunehmen. „Wir alle sind schließlich auch Kunden der Chinesen. Jeder trägt irgendetwas made in China am Körper. Es ist immer gut, zu schauen, wie die Kunden ticken,“ sagt Arlt.

Im kleinen Metzingen, der Heimatstadt von Designer Hugo Boss in der Nähe Stuttgarts, weiß man das längst. Chinesische Touristen stellen im berühmten Outletcenter inzwischen eine der kaufkräftigsten Gruppen – mit zweistelligen Wachstumszahlen. „Die Chinesen geben pro Person deutlich mehr aus als der durchschnittliche deutsche Kunde“ sagt Ute Christmann von Outletcity Metzingen. Der Global Blue Report, der die Zahlen über Kunden aus dem Ausland, denen die Mehrwertsteuer zurückerstattet wird, nach Ländern aufschlüsselt, listet China bereits auf Platz Sieben. Mehr als die Hälfte des Reisebudgets geht im Schnitt für Markenprodukte drauf. Und so gibt es inzwischen auf chinesisch geschulte Servicekräfte und Verkäufer, chinesische Broschüren und außerhalb von Metzingen sogar das erste Hotel für chinesische Reisegruppen. Damit beweist man Gespür für die kulturelle Identität der ostasiatischen Gäste. „Chinesische Touristen im Ausland sehen sich selbst vor allem als chinesische Touristen. Informationen und Beschilderungen auf Chinesisch helfen also nicht nur dem individuellen Urlauber, sondern zollen gewissermaßen allen Chinesen und der Bedeutung Chinas in der Welt Respekt,“ erklärt Arlt. Nicht ohne Grund ist der chinesische Auslandstourismus in Europa weitgehend in auslandschinesischer Hand.

Die chinesische Regierung, die die touristischen Agenturen noch fest in staatlicher Hand hält, sorgt sich um ihren Ruf. Regelmäßig erneuert die Regierung ihren Aufruf, während Auslandsreisen etwa nicht in der Öffentlichkeit zu urinieren, nicht mit freiem Oberkörper in die Öffentlichkeit zu gehen, nicht rückwärts zu laufen, nicht zu spucken, zu schmatzen oder Essensreste auf den Boden zu werfen. Universitäten veranstalten Etikettenwettbewerbe. Das Benimmbuch eines in London lebenden chinesischen Autors rät, „sich nicht in der Öffentlichkeit die Ohren zu säubern“ oder „Frauen besser nicht nach ihrem Alter zu fragen.“

Auch das Bild von Europa ist in China ein anderes: die Alte Welt wird als eine Destination mit unterschiedlichen kulturellen Facetten auf kleinem Raum wahrgenommen. Dabei interessieren weniger die historischen Stätten oder das Verlangen nach authentischer Kultur, sondern Entertainment. „Mit den Chinesen reisen keine Bewunderer unserer Kunstschätze an“, so Arlt. Die erste große Gruppe chinesischer Touristen in Island beispielsweise war von spontan akquirierten chinesischen Studenten aus Norwegen durch das Land geführt worden, von dem diese selbst genauso wenig Ahnung hatten wie ihre Reisegruppe. Die auf der Tour frei erfundenen Märchengeschichten der Guides, etwa über Berge, an denen früher Jungfrauen geopfert worden seien, erfüllten schließlich ihren Zweck: Unterhaltung der Reisenden, auf chinesische Art. Es geht eben auch ohne die Suche nach Authentizität.

Source: Young Press–11 March, 2011

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